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Am Anfang - war der Wunsch eines kleinen Schülerorchesters unter Leitung von Frau Monica Bauer, einmal im großen barocken Zwiefalter Münster zu spielen. Am Anfang stand der Traum, die Werke des Zwiefalter Klosterkomponisten Ernest Weinrauch mit Kräften aus der Region wieder in Zwiefalten heimisch werden zu lassen, seinen Namen wieder fest im Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern. Am Anfang, irgendwann im März 2004, stand auch die Entdeckung, dass sich die Lebensdaten von Ernest Weinrauch - 1730-1793 - gut für ein Jubiläum eigneten.
Und so begann das Abenteuer "Weinrauch" in Zwiefalten, bei dem sich eine Gruppe von musikbegeisterten Laien gemeinsam mit Orchesterleitern der Region, Frau Monica Bauer und später Herrn Stefan Hatvani, an die riesige Aufgabe machte, ein Programm mit Werken von Ernest Weinrauch konzertfähig auf die Beine zu stellen - unter der Federführung des Geschichtsvereins Zwiefalten und vollkommen unbeleckt von Kenntnissen über das Konzertmanagement. Hauptträger der Chorarbeit war der evangelische Kirchenchor Zwiefalten unter der Leitung von Lilly Kirschbaum-Müller, die auch die Gesamtleitung übernahm. Doch auch aus anderen Chören der Gemeinde kamen Sänger dazu. Viele Ideen von allen Teilnehmern führten dazu, dass die Sache vorankam. Vor allem die viel zu früh verstorbene Nicola Hartmann setzte durch ihren Einsatz bei der Vermittlung der Gesangssolisten und durch die Beteiligung ihres Chores "Espressivo" Akzente, die bis heute wirken.
Von Anfang an war klar, dass am Geburtsort von Ernest Weinrauch, Donauwörth, ein zweites Konzert stattfinden sollte. Einer spontanen Idee von Otto Reichhard ist es zu verdanken, dass Sänger aus der Partnergemeinde La Tessoualle in Frankreich sich ebenfalls auf die Sache einließen und Interesse für das Projekt zeigten. Zwiefaltens Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger gewann dann noch Sänger aus der befreundeten Gemeinde Ohorn bei Dresden dafür. Er sorgte als Vorsitzender des Geschichtsvereins Zwiefalten für die finanzielle Absicherung des Projekts, indem er wichtige Sponsoren gewinnen konnte - neben der Kreissparkasse Reutlingen und der OEW als Hauptsponsoren sorgten zahlreiche weitere Betriebe der Region für eine solide wirtschaftliche Grundlage des Projekts.
Und schließlich war es so weit: Am 14. Oktober 2005 kamen die Sänger aus Zwiefalten, Ohorn und La Tessoualle erstmals zusammen und - was sich niemand so recht vorstellen konnte - es klappte hervorragend! Als dann das Orchester, einige Berufsmusiker und die Gesangssolisten dazu kamen und das Ganze sich wunderbar verband, war klar, dass das Konzert ein Erfolg werden würde. Auf dem Programm standen die Stücke Dixit Dominus und Laudate pueri aus Vesperae de Apostolis, das Requiem c-moll sowie das Salve Regina. Alle Werke verdankten ihre Wiederentdeckung Prof. Dr. Sumski aus Tübingen.
War's das? So war es am Anfang konzipiert, als einmalige Angelegenheit. Doch fast alle Teilnehmer wollten weitermachen. Die Probenarbeit übernahm Jörg Sommer aus Balingen, da Frau Kirschbaum-Müller diese nicht mehr weiterführen konnte. Vieles war nun leichter, da man einen festen Stamm von Mitwirkenden hatte, man kannte die Probleme. Konzertorte 2007 waren Balingen am 20.10. und natürlich Zwiefalten am 21.10. mit dem Programm Magnificat C-Dur, der Messe g-moll und nochmals dem Salve Regina. Auch bei diesem Konzert durften wir uns über die Unterstützung durch unsere Freunde aus La Tessoualle und Ohorn freuen. Das Orchester war inzwischen buchstäblich den Kinderschuhen entwachsen, denn es bestand beim zweiten Konzert fast ausschließlich aus Erwachsenen, darunter mehr als die Hälfte Berufsmusiker.
Im Herbst 2009 fanden die Weinrauchkonzerte zum nunmehr dritten Mal statt. Dieses Mal war auch Weinrauchs Geburtsort Donauwörth wieder mit im Boot: das Auswärtskonzert erklang dort am 19. September im Münster "Zu unserer lieben Frau", ein weiteres Konzert fand am 20. September in Zwiefalten statt. Eine große Freude bedeutete es für die Veranstalter und Organisatoren, Herrn Bürgermeister Riedlinger und Otto Reichhard, dass dabei schon zum dritten Mal Sänger aus Frankreich und aus Sachsen mit von der Partie waren. Somit erhalten die Werke Ernest Weinrauchs auch wieder eine europäische Dimension, die sie bereits zu ihrer Entstehungszeit hatten. Die diesjährigen Weinrauchkonzerte konnten dabei mit einigen Besonderheiten aufwarten - alle Werke waren neuzeitliche Premieren. Bei den Stücken handelte es sich um das Magnificat C-Dur, den Psalm 129 De Profundis und die Messe Es-Dur. Das Orchester war bei den Weinrauchkonzerten 2009 zum größten Teil mit Berufsmusikern besetzt. Der Orchesterpart mit den restlichen Musikern, sehr guten Laienmusikern, wurde von Stefan Hatvani aus Ulm einstudiert, die Gesamtleitung hatte wieder Jörg Sommer. Eines hat sich jedoch auch bei den diesjährigen Weinrauchkonzerten nicht geändert: Das Ziel, das Werk Ernest Weinrauchs der Vergessenheit zu entreißen und es wieder einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Und: es gibt noch viel zu tun. Dr. Torsten Augenstein, der über Ernest Weinrauch promoviert hat, konnte insgesamt 27 seiner Werke in verschiedenen Klosterbibliotheken entdecken, in Ottobeuren, Einsiedeln und anderen. Gut möglich also, dass das letzte Kapitel der Weinrauchkonzerte noch längere Zeit auf sich warten lassen wird...
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